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Internationaler Literaturpreis „ALBATROS“

Preisverleihung 2010

Die vollständige Dokumentation der Preisverleihung
vom 25.04.2010 (117 min):

Videodokumentation (klein)
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Dankesworte des Preisträgers David Grossman (deutsch, pdf)

Einen Bericht über die Preisverleihung finden Sie bei Center TV in der WESERZEIT vom 26.04.2010
"Günter Grass-Stiftung verleiht Literaturpreis"




ALBATROS - Preisträger 2010

Preisträger sind

David Grossman (Israel)
und
Anne Birkenhauer (Deutschland/ Israel)
für den Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“




 

David Grossman
Foto: Carmen Jaspersen ©
David Grossman
Foto: Carmen Jaspersen ©
 
David Grossman

David Grossman, geb. 1954 in Jerusalem, studierte Philosophie und Theater
an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Anschließend arbeitete er als Korrespondent und Moderator für Kol Israel, die öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalt des Landes. Zwischen 1970 und 1984 war er für eine populäre
Kindersendung verantwortlich.
Er lebt in einem Vorort Jerusalems. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.
Sein Sohn Uri fiel während der Arbeit an „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“.

Weitere Bücher von David Grossman:

1988 Das Lächeln des Lammes
1991 Stichwort: Liebe
1992 Der geteilte Israeli - Reportage über den Zwang, den Nachbarn nicht
zu verstehen
1994 Der Kindheitserfinder
1996 Zickzackkind
1998 Joram und der Zauberhut. Kinderbuch.
1999 Sei du mir das Messer.
2001 Wohin du mich führst. Kinderbuch.
2003 Diesen Krieg kann keiner gewinnen
2004 Das Gedächtnis der Haut
2008 Die Kraft zur Korrektur

alle Hanser Verlag.

Auszeichnungen:

• 2008 Geschwister-Scholl-Preis
• 2004 Wingate Literary Prize
• 2002 Manès-Sperber Preis
• 1996 Premio Mondello
• 1991 Nelly-Sachs-Preis
• 1984 Preis des Premierministers für Hebräische Literatur



 

Anne Birkenhauer
Foto: Carmen Jaspersen ©
Anne Birkenhauer
Foto: Carmen Jaspersen ©
 
Anne Birkenhauer

Anne Birkenhauer, geb. 1961 in Essen, studierte Judaistik, Neue Deutsche Literatur und Linguistik an der Freien Universität Berlin. Sie lebt seit1989 in Israel.

Weitere Übersetzungen:

1990 Dan Pagis: Die Krone der Schöpfung, Straelener Manuskripte
1994 Arieh Sivan: Adonis, Fischer
1994 Juval Schimoni: Der Flug der Taube, Jüdischer Verlag/Suhrkamp
1996 Daniella Carmi: Samir und Jonathan, Hanser
1996 Gershom Shaked: Geschichte der hebräischen Literatur, Jüdischer
Verlag
1997 Jaakov Shabtai: Vollendete Vergangenheit, Suhrkamp
1998 Daniella Carmi: Nachts zogen die Zigeuner fort, Hanser
1998 Jehoshua Kenaz: Nach den Feiertagen, Suhrkamp
1999 Moshe Zemer: Jüdisches Religionsgesetz heute, Neukirchner Verlag
2000 Chaim Be'er: Stricke, dtv-premium
2000 Aharon Appelfeld: Die Eismiene, Alexander Fest
2002 Chaim Be'er: Federn, dtv-Premium
2002 Aharon Appelfeld: Alles was ich liebte, Alexander Fest
2005 Aharaon Appelfeld: Geschichte eines Lebens, Rowohlt
2008 Gabriela Avigur-Rotem: Loja. Suhrkamp
2009 Sarah Shilo: Zwerge kommen hier keine. dtv-Premium

Anne Birkenhauer war Herausgeberin von „Jüdischer Almanach des Leo Baeck
Instituts“, Jüdischer Verlag Suhrkamp

 

„Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist die Erzählung von Ora und ihrer Familie: eine Frau zwischen zwei Männern, zwei Söhnen von verschiedenen
Vätern, der Versuch, in einem zerrissenen Land zu leben.

In der Begründung der Jury heißt es:
„Den ALBATROS der Günter Grass Stiftung Bremen erhält in diesem Jahr der israelische Erzähler David Grossmann für seinen Roman "Eine Frau flieht
vor einer Nachricht". Mit bestechender Genauigkeit verbindet er die großen Fragen, vor die sein Land gestellt ist, mit der Dramatik des Alltags und
dem Geschick einiger weniger Figuren. Der 1954 in Jerusalem geborene Autor erkundet vor dem Panorama des Krieges und der erbitterten
Auseinandersetzungen den existentiellen Raum des Einzelnen, der von Verlustangst und Panik, unauslöschlichen Erinnerungen, dem Wissen um die
eigene Ohnmacht und doch auch der Hoffnung auf Frieden in Nahost besetzt ist.
Gegen die Wirrnis der täglichen Schlagzeilen setzt David Grossmann die Kraft der Vergegenwärtigung und die Tiefendimension der großen Erzählung. Er ist ein Autor, der mit vielen Büchern erwiesen hat, daß er
sein Land liebt, zugleich aber immer wieder auch Gründe für starke moralische Kritik findet. Dieser Roman ist als groß geartetes Zeugnis eines Werks zu verstehen, das der Ambivalenz von Liebe und Verzweiflung gegenüber der Heimat und ihren Tragödien sprachmächtigen Ausdruck gibt.
Die Jury würdigt außerdem die souveräne Leistung von Anne Birkenhauer, die durch Nuancen und Farbenreichtum mit ihrer Übersetzung aus dem Hebräischen
besticht.“

 

ALBATROS - Preisträger 2008

 

Bora Ćosi&#263
Bora Ćosić
 
Bora Ćosić
wurde 1932 in Zagreb geboren. Aufgewachsen ist er in Belgrad, hat dort auch Philosophie studiert. Ćosić verließ Serbien 1992 und siedelte, mit Zwischenstation Istrien, nach
Berlin über. Heute lebt er in Berlin und in Rovinij (Kroatien).
Er habe seine Heimat „aus Gründen der Nervosität“ verlassen: „Ich war zu nervös, um in diesem Land unter einem solchen Regime (Milošević-Regime) weiter zu leben.“ Er wollte in diesem Land aus einer Haltung des Protestes und des Ekels heraus kein Wort mehr veröffentlichen.
Anfang der 50er Jahre hatte er sich der serbischen Avantgarde angeschlossen. In den 60er Jahren publizierte er Collagenbücher mit Essays über Kunst, Kitsch und die Mythen des Alltags. Seit Anfang der sechziger Jahre schreibt er Essays und Romane. Seinen größten Erfolg hatte er mit dem Roman (1969) „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“ ( deutsch 1994 ). Für sein Buch „Die Zollerklärung“ erhielt er 2002 den „Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung“.
In „Die Reise nach Alaska“, Ćosićs jüngstem Buch, bricht er auf zu einer Reise durch das frühere Jugoslawien. Dynamisch zwischen Heute und Damals wechselnd, verbindet er sinnliche Anschauung mit politischer Kritik, scharfsinnig historische Reflexion mit überraschenden Reisebildern und Erinnerungen an eine einst avantgardistische Kulturszene, getrieben von der Frage, wie es zur Katastrophe hatte kommen können. Obwohl Ćosić immer politische Position in seinen Büchern bezieht, sieht er sich keineswegs als politischen Autor. Er sieht sich als Schriftsteller, der auf Probleme antworte, die ein Mensch unter schlechten Lebensbedingungen habe. „Und wenn der Mensch in die Politik involviert ist dann hat er schlechte Bedingungen“. In den osteuropäischen Ländern gilt er als „Bruder“ von Bohumil Hrabal und Josef Škvorecký.
Für Bora Ćosić ist das Subjekt im 20./21. Jahrhundert ein Mensch am Bahnsteig mit Koffer in der Hand. „Doch das Gepäck ist leer. Was bleibt, ist alleine eine Erinnerung, die nichts mehr ist als reine Fiktion“.


 

Katharina Wolf-Grieshaber
Katharina Wolf-Grieshaber
 
Katharina Wolf - Grießhaber
wurde 1955 in Stuttgart geboren. Sie studierte Slavistik und Osteuropäische Geschichte in Heidelberg und Bochum; Promotion in Bielefeld. Sie veröffentlichte Publikationen zu Danilo Kiš, Ivo Andrić, Bora Ćosić und Vladimir Nabokov. 2001 erschien „Des Iltisses Kern. Zur Sinnproduktion in Danilo Kišs Ein Grabmal für Boris Davidovič“ (Helmut Lang Verlag Münster).
Katharina Wolf-Grießhaber lebt und arbeitet als freie Übersetzerin in Münster.

Von Bora Ćosić hat Katharina Wolf - Grießhaber „Die Zollerklärung“ (2001), „Das Land Null“ (2004) und „Die Reise nach Alaska“ ins Deutsche übersetzt. Weitere Autoren sind u.a. Danilo Kiš, Bogdan Bogdanović, Salvenka Drakulić und Dževad Karahasan.


 

ALBATROS - Preisträger 2006

 

Karin von Schweder-Schreiner (links) und Lídia Jorge bei der Preisverleihung des ALBATROS 2006
 
Lídia Jorge (Portugal) und Karin von Schweder-Schreiner erste Preisträger 2006

Zum ersten Mal hat das Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen am 5. Mai 2006 im Bremer Überseemuseum ihren "ALBATROS" übergeben. Der Literaturpreis ist mit 40.000 Euro dotiert und wird mit 25.000 Euro an einen Autor und mit 15.000 Euro an den Übersetzer des Autors verliehen.

Ausgezeichnet wurde ein Romanwerk, das die Dämonen lusitanischer Geschichte, die Kolonialkriege und die Nachwirkungen der Diktatur im intimen Rahmen des Familien- und Gruppenbildes aufspürt. Ihre Figuren leben aus einer Spannung, die vom nachkolonialen Blick übers Meer bis zur Sehnsucht nach Europa reicht. Im Wechsel von Stillstand und jäher Bewegung suchen sie nach der Wahrheit des Träumens zwischen den Zeiten. Sie sind von den Erfahrungen der Trennung, der Isolation und der stillen Verzweiflung bestimmt. Doch werden sie geführt von einer artistischen Regie des Blickwechsels.

Lìdia Jorges geschichtenreiche Bücher liegen in meisterlichen Übersetzungen von Karin von Schweder-Schreiner vor.

Bereits die ersten Romane von Lìdia Jorge, "O dia dos prodígios" (1980, Der Tag der Wunder) und "O cais das merendas" (1982), wurden zu Hauptwerken der neueren portugiesischen Literatur, die sich in der Nachfolge der Nelkenrevolution von 1974 entwickelte. "O vale da paixão" (Die Decke des Soldaten) wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, wie dem Preis des portugiesischen Pen-Clubs, dem Dom Dinis-Preis, dem Máxima de Literatura-Preis, dem Bordalo Pinheiro-Preis und dem Jean Monet-Literaturpreis. Von der französischen Regierung wurde Lídia Jorge im Jahr 2000 der Grad eines Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres verliehen.

Karin von Schweder-Schreiner ist seit 1990 die Übersetzerin von Lídia Jorge ins Deutsche. Zu den von ihr übersetzten Autoren aus dem portugiesischen Sprachraum zählen u.a. Jorge Amado, Chico Buarque, Antonio Callado und Mia Couto. Die Arbeit von Karin von Schweder-Schreiner wurde jeweils zweimal mit Stipendien des Deutschen Literaturfonds (1987/88 u. 1996/97) und des Deutschen Übersetzerfonds e.V.(1999 u. 2004) ausgezeichnet, 1990 und 2005 erhielt sie einen Förderpreis für literarische Übersetzung der Freien und Hansestadt Hamburg, 1994 den Internationalen Übersetzerpreis des brasilianischen Kulturministeriums.

Laudatoren bei der Preisübergabe waren Christina Weiß, ehemalige Kulturstaatsministerin, und der Übersetzer, Lektor und Journalist Helmut Frielinghaus.



 

Internationaler Literaturpreis ALBATROS

Die Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen vergibt den ALBATROS für zeitgenössische erzählerische Prosa, Lyrik oder Essayistik. Er geht an Autoren aus aller Welt, deren Werk sich durch hohe literarische Qualität und kulturelle und gesellschaftspolitische Relevanz auszeichnet. Das ausgezeichnete Werk soll offenes Denken und die freie Auseinandersetzung mit allen Bereichen unseres Lebens, mit unserer Welt und unserer Zeit befördern. Die Besonderheit dieses Preises besteht darin, daß ein bedeutendes fremdsprachiges Werk und dessen herausragende, der literarischen Eigenart des Originals gerecht werdende Übersetzung ins Deutsche ausgezeichnet werden.

Der internationale Literaturpreis ALBATROS ist mit 40.000 Euro dotiert und wird mit 25.000 Euro an einen Autor und mit 15.000 Euro an den Übersetzer des Autors verliehen.

Der Name des Preises ist "ALBATROS". Er steht sinnfällig für die Verbindung Bremen - Übersee. Sowohl ist der Albatros ein Vogel, der über den Meeren Tausende von Kilometern zurücklegen kann, als auch eine Namensgebung für die historischen "Kap Horniers", denen auch Bremer Kapitäne angehörten.


Die gedruckten Dokumentationen der Preisverleihungen sind bei der Medienarchiv Günter Grass - Stiftung Bremen auf Anfrage erhältlich solange der Vorrat reicht.