2008

ALBATROS Preisträger 2008

Bora Ćosić (Serbien) und Katharina Wolf-Grießhaber

Albatros Günter Grass Stiftung Bremen 2008 Albatros Günter Grass Stiftung Bremen 2008

Bora Ćosić

wurde 1932 in Zagreb geboren. Aufgewachsen ist er in Belgrad, hat dort auch Philosophie studiert. Ćosić verließ Serbien 1992 und siedelte, mit Zwischenstation Istrien, nach Berlin über. Heute lebt er in Berlin und in Rovinij (Kroatien).

Er habe seine Heimat „aus Gründen der Nervosität“ verlassen: „Ich war zu nervös, um in diesem Land unter einem solchen Regime (Milošević-Regime) weiter zu leben.“ Er wollte in diesem Land aus einer Haltung des Protestes und des Ekels heraus kein Wort mehr veröffentlichen.
Anfang der 50er Jahre hatte er sich der serbischen Avantgarde angeschlossen. In den 60er Jahren publizierte er Collagenbücher mit Essays über Kunst, Kitsch und die Mythen des Alltags. Seit Anfang der sechziger Jahre schreibt er Essays und Romane. Seinen größten Erfolg hatte er mit dem Roman (1969) „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“ ( deutsch 1994 ). Für sein Buch „Die Zollerklärung“ erhielt er 2002 den „Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung“.

In „Die Reise nach Alaska“, Ćosićs jüngstem Buch, bricht er auf zu einer Reise durch das frühere Jugoslawien. Dynamisch zwischen Heute und Damals wechselnd, verbindet er sinnliche Anschauung mit politischer Kritik, scharfsinnig historische Reflexion mit überraschenden Reisebildern und Erinnerungen an eine einst avantgardistische Kulturszene, getrieben von der Frage, wie es zur Katastrophe hatte kommen können. Obwohl Ćosić immer politische Position in seinen Büchern bezieht, sieht er sich keineswegs als politischen Autor. Er sieht sich als Schriftsteller, der auf Probleme antworte, die ein Mensch unter schlechten Lebensbedingungen habe. „Und wenn der Mensch in die Politik involviert ist dann hat er schlechte Bedingungen“. In den osteuropäischen Ländern gilt er als „Bruder“ von Bohumil Hrabal und Josef Škvorecký.

Für Bora Ćosić ist das Subjekt im 20./21. Jahrhundert ein Mensch am Bahnsteig mit Koffer in der Hand. „Doch das Gepäck ist leer. Was bleibt, ist alleine eine Erinnerung, die nichts mehr ist als reine Fiktion“.

Katharina Wolf-Grießhaber

wurde 1955 in Stuttgart geboren. Sie studierte Slavistik und Osteuropäische Geschichte in Heidelberg und Bochum; Promotion in Bielefeld. Sie veröffentlichte Publikationen zu Danilo Kiš, Ivo Andrić, Bora Ćosić und Vladimir Nabokov. 2001 erschien „Des Iltisses Kern. Zur Sinnproduktion in Danilo Kišs Ein Grabmal für Boris Davidovič“ (Helmut Lang Verlag Münster).

Katharina Wolf-Grießhaber lebt und arbeitet als freie Übersetzerin in Münster.

Von Bora Ćosić hat Katharina Wolf – Grießhaber „Die Zollerklärung“ (2001), „Das Land Null“ (2004) und „Die Reise nach Alaska“ ins Deutsche übersetzt. Weitere Autoren sind u.a. Danilo Kiš, Bogdan Bogdanović, Salvenka Drakulić und Dževad Karahasan.

ALBATROS-Preisverleihung:

Begrüßung: Donate Fink (PDF)

Laudatio auf Bora Ćosić: Richard Swartz (PDF)

Laudatio auf Katharina Wolf-Grießhaber: Wolfgang Schlott (PDF)