Günter Grass und Bremen

Günter Grass und die Freie Hansestadt Bremen: 

Ablehnung und Versöhnung

Blitzlichter einer spannungsreichen Beziehung

Anfang Dezember 1959 9. Bremer Literatur Preis Die vom Senat berufene Jury aus: Manfred Hausmann, Conrad Heinemann, Rudolf Hirsch, Erhart Kästner, Eberhard Lutze, Rolf Schroers, Erich Traumann, Benno von Wiese beschließt, Günter Grass den Bremer Literaturpreis für „Die Blechtrommel“ zu verleihen
Mitte Dezember 1959 Ablehnung des Vorschlags Der Senat distanziert sich und beschließt, den Vorschlag der Jury wegen der »literarischen Beschreibung (…) von Ekel und Sexualität, Tod und Blasphemie« in diesem Buch abzulehnen. Düpiert verlassen die Kuratoriumsmitglieder Rudolf Hirsch, Erhart Kästner und Benno von Wiese das Gremium
11. April 1961 Gründung der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung Nach 15monatiger Beratung beschließt der Senat, für die Vergabe des Bremer Literaturpreises eine Senats-Stiftung zu gründen, die von nun an in voller Unabhängigkeit den Preis verleihen soll
15.9.1965 Pressekonferenz von Günter Grass in Bremen zum Abschluss seiner Wahlkampfreise Nach der Cloppenburger Rede vor 3500 Teilnehmern seines „Wahlkampfs auf eigene Faust“ für Willy Brandt wandte sich Günter Grass am Folgetag in Bremen an die Öffentlichkeit. Er war bei diesem letzten von 52 Auftritten (Grass: In Cloppenburg befinde sich die SPD in der Diaspora) niedergeschrien und mit Obst, Gemüse und Eiern beworfen worden.
1971 Wahlkampfrede auf Einladung der Jusos in der SPD Bremen Schriftsteller spricht vor Erstwählern im Kongressaal der Stadthalle
1979 Wahlkampf in Bremen Henning Scherf, Sozialsenator und Mitglied des SPD-Landesvorstands, lädt Günter Grass als Unterstützer des Wahlkampfes gegen Franz-Josef Strauß ein
3. Mai 1982 „Mit Bremen ausgesöhnt: Literaturpreis-Desaster nicht vergessen – Aber Lob für die Solidarność-Hilfe“ so übertiteln die Bremer Nachrichten eine Stellungnahme von Günter Grass Dass die unter Kriegsrecht in Bremen gestrandeten Danziger Arbeiter der Lenin-Werft – sieben Mitglieder der Solidarność – in Bremen beherbergt und von Bürgermeister Hans Koschnick und der Bremer Politik nachhaltig unterstützt werden, versöhnt Günter Grass mit Bremen. Grass wie Koschnick werden später beide Ehrenbürger der polnischen Hafenstadt: Grass als gebürtiger Danziger, Koschnick für die Begründung der Städtepartnerschaft 1976.
1992 „Unkenrufe“ – eine Koproduktion von Radio Bremen mit dem wenig später privatisierten (und damit öffentlich-rechtlich abgeschalteten) Sender RIAS 2 in Berlin Beginn der Zusammenarbeit mit Radio Bremen als seinem „Heimat-Sender“ für Werkstattgespräche und Lesungen.
21. Dezember 1999 „Mein Jahrhundert“ Lesung im Bremer Rathaus und Initialzündung zur Gründung der Bremer „Günter Grass-Stiftung“ als einer Art „Wiedergutmachung“ für die Schmähung der Nicht-Verleihung des Literaturpreises
6. Oktober 2000 Günter Grass will Hasan helfen Grass unterzeichnet mit anderen Intellektuellen eine Patenschaftserklärung für einen 18jährigen von Abschiebung bedrohten Kurden, dem die Bremer Friedensgemeinde Kirchenasyl gewährt
20. Oktober 2000 Gründung der „Günter-Grass-Stiftung-Bremen – audiovisuelles Archiv und rezeptionsgeschichtliche Forschungsstelle“ Die Freie Hansestadt Bremen (Bürgermeister Dr. Henning Scherf), Radio Bremen (Intendant Dr. Heinz Glässgen) und der Steidl-Verlag in Göttingen (Daniela Hermes) unterzeichnen die entsprechende Vereinbarung
Günter Grass zu Besuch im Grass-Medienarchiv in Bremen-Nord

 

2001/2002 Errichtung der „Günter Grass Stiftung Bremen“ Die Stifter Bernd Hockemeyer, Dieter H. Berghöfer, Radio Bremen, Kunst- und Kulturstiftung der Sparkasse Bremen und die Freie Hansestadt Bremen errichten per 11. Dezember 2001 die Stiftung, deren Satzung am 12.2.2002 von der Stiftungsaufsicht beim Senator für Inneres förmlich genehmigt wird.
2003 Wahlkampf ohne Grass Die Unterstützung durch den politischen Literaten ist im Wahlkampf der Bremer Sozialdemokraten nicht erwünscht….Die bereits erfolgte Anmietung des Schlachthofs für den Grass-Auftritt wird zurückgezogen.
2006 „Essen und Trinken im Werk von Günter Grass“ Kongress der Deutschen Akademie für Kulinaristik mit der Günter-Grass-Stiftung Bremen
2006 Erste Verleihung des seither i.d.R. zweijährigen internationalen Albatros Literaturpreises der Günter Grass-Stiftung Bremen Lídia Jorge (Autorin), Karin von Schweder-Schreiner (deren Übersetzerin), für ihr bisheriges Romanwerk
8. Februar 2007 Teilnahme des Literaturnobelpreisträgers an der 463. Schaffermahlzeit Günter Grass ist „Premieren-Gast“ bei der Festrede von Frau Angela Merkel, der Bundeskanzlerin als erstem weiblichen Ehrengast des Benefizessens für Haus Seefahrt
28. bis 30. September 2007 80. Geburtstag von Günter Grass Internationaler Kongress: „MedienGrass“ in der Jacobs University Bremen
Januar – März 2009 Grass motiviert noch lebende Literatur-Nobelpreisträger mit ihm gemeinsam im Bremer Rathaus zur weltweiten Finanzkrise die intellektuelle Stimme zu erheben. Radio Bremen, die Jacobs University Bremen, die Sparkasse Bremen, die „Zeit-Stiftung“ mit Michael Naumann und die Senatskanzlei bereiten das Treffen der Literaten, eine literarische Matinée und ein Besuchsprogramm der internationalen Gäste rund um den 1. Mai 2009 vor. Grass fordert seine Kollegen zur „kritischen Dreinrede“ auf: Die Vorbereitungen für das dreitägige Symposium, das eine „Bremer Erklärung“ hervorbringen soll, sind weit gediehen. Allein die krankheitsbedingte Absage einiger Mitstreiter verhindert das Projekt quasi in letzter Minute. Grass will auf die Idee zurückkommen….
18. August 2009 …und die Welt hat nicht aufgepasst! Ein nachdenkliches Kolloquium zur Erinnerung an den Kampf um die polnische Post in Danzig Hans Koschnick, Volker Schlöndorff und Botschafter a.D. Janusz Reiter / Polen diskutieren im Bremer Rathaus unter Moderation von Michael Naumann über den immerwährenden Apell aus Günter Grass Meisterwerk „Blechtrommel“ zur Erinnerung an den Kriegsbeginn vom 1. September 1939 in Polen
30. November 2010 „Der politische Grass“ Anlässlich der Ausstellung von Bremischer Bürgerschaft und Günter-Grass-Haus/ Lübeck liest und signiert Günter Grass im Haus der Bürgerschaft aus „Grimm’s Wörter“
26. Juni 2014 Gründungsversammlung des Vereins: „Audio Visuelles Archiv deutschsprachiger Literatur e.V.” um die audiovisuellen Nach- und Vorlässe von anderen Autoren wie Christa Wolf, Siegfried Lenz, Adolf Muschg, Elfriede Jelinek und Martin Walser in Kooperation mit den ARD-Anstalten ebenfalls über das Günter Grass-Medienarchiv zu bewahren und erschließen. Günter Grass hat dies mit seinen literarischen Kollegen vorbereitet.