„Geisterbahn“ und ihre bewegende Geschichte

„Die Dorns waren eine Insel im Meer der Traurigkeit, aber die durfte niemand sehen. Farben stimmen froh, und Frohsinn braucht der Schausteller.“ Das schreibt Ursula Krechel über eine deutsche Sinti-Familie, deren Schicksal im Nationalsozialismus und in der jungen Bundesrepublik nach dem Krieg einen Schwerpunkt in ihrem neuen Roman „Geisterbahn“ bildet. Die einfühlsam erzählte und aufwühlende Geschichte las sie jetzt über eine Stunde lang im Haus der Wissenschaft vor. Eingeladen hatte die renommierte Schriftstellerin die Günter Grass Stiftung Bremen, deren Namensgeber ein großer Freund und Förderer der Sinti und Roma war. Das Publikum hörte ganz leise und manchmal vor Rührung den Tränen nahe der Autorin zu, bedankte sich am Ende mit langem Applaus. Immer wieder suchten Zuhörerinnen und Zuhörer das Gespräch mit Ursula Krechel, die bisher vor allem als Lyrikerin kannten, und ließen sich Bücher von ihr signieren. Am Ende von „Geisterbahn“ heißt es: „Alfons Dorn, den Mann, den man nicht mehr Zigeuner nennen darf und trotzdem so nennt.“ Günter Grass ahnte es schon 1997, als er gemeinsam mit seiner Frau Ute die „Stiftung zugunsten des Romavolkes“ gründete: Das Unrecht gegenüber dieser Volksgruppe halte bis heute an.