Gerhard Henschel und die Liebe

Gerhard Henschel ist Schriftsteller, kein Freund von Günter Grass, wohl aber von Walter Kempowski. Das Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen hatte ihn am 16. Januar 2019 zu einer Lesung und Diskussion eingeladen. Henschel schreibt Romane, Erzählungen, Sachtexte und Satire, wurde bereits mit mehreren, renommierten Preisen ausgezeichnet. Nebenher betätigt er sich auch als Übersetzer, „damit der Schornstein raucht“, wie er einmal sagte. Bekannt wurde er vor allem mit seinen inzwischen acht Bände umfassenden Martin Schlosser-Romanen. Darin führt der Ich-Erzähler Martin Schlosser die Leser sehr ausführlich und detailreich durch das Leben seines Protagonisten und durch die deutsche Zeitgeschichte. Aus dem neuesten Band „Erfolgsroman“ – Anfang der 90er Jahre angesiedelt – las Henschel in der Villa Ichon vor. Der Norddeutsche Rundfunk, der „Erfolgsroman“ im vergangenen September als „NDR Buch des Monats“ vorstellte, bemerkte: „Henschel ist nicht nur Chronist, sondern auch Satiriker, Eulenspiegel und Narr, ein Spötter und Hallodri, der vor keiner Zote zurückschreckt, wenn sie ihn selbst zum Lachen bringt..“ In Bremen konzentrierte er sich auf Passagen, die die amourösen Abenteuer mit einer jungen Frau namens Kathrin Passig behandeln; die Liebesbeziehung zwischen den beiden ist längst beendet, die Arbeitsbeziehung nicht. Kathrin Passig ist heute eine renommierte Autorin. Die Henschel-Lesung war ein durchweg schöner, erlebnisreicher Abend.