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Kongresse
Kongresse und Tagungen des Medienarchivs Günter Grass Stiftung Bremen



Mediengrass
Mediengrass
"Die Medien und Günter Grass"
zum Kongress MedienGrass


»Wenn die Kritiker sich streiten, ist der Künstler mit sich selbst im Einklang.« Träfe der Ausspruch von Oscar Wilde zu, dann dürfte kein anderer Schriftsteller so wenig Grund haben, sich über seine öffentliche Resonanz zu beklagen, wie Günter Grass. Seit seinem ersten Auftreten als Romancier mit der "Blechtrommel" im Jahre 1959 war er ein umstrittener Autor, und späte Bücher wie "Ein weites Feld" und "Im Krebsgang" haben daran nichts geändert. Eine Tendenz zur Polarisierung ist geradezu ein Kennzeichen dieses Schriftstellers, das seine gesamte Laufbahn begleitet hat.
Nirgends aber war der Meinungsstreit stärker als zuletzt beim Erscheinen seines autobiographischen Buches "Beim Häuten der Zwiebel", das öffentlich bereits heiß umkämpft war, bevor irgend jemand es gelesen hatte. Diese Debatte hatte allerdings weniger mit Literaturkritik zu tun, sie war vielmehr eine politische Debatte, die sich von ihrem literarischen Anlass längst gelöst hatte.
Die in Bremen im Jahr 2001 ins Leben gerufene Stiftung »Medienarchiv Günter Grass« hat es sich zum Ziel gesetzt, genau diese ungeheure Wirkung des Autors Günter Grass in Medien und Öffentlichkeit und damit auch die Interaktion zwischen Literatur und Öffentlichkeit zu erforschen und umfassend zu dokumentieren. Dabei wurde bewusst von Anfang an eine nicht national begrenzte, sondern globale Ausrichtung gewählt.
Kurz vor dem achtzigsten Geburtstag des Schriftstellers, im September 2007, veranstaltete die Stiftung die Tagung »MedienGrass«, deren Beiträge zu diesem hochspannenden Thema – von Grass-Forschern aus verschiedensten, auch außereuropäischen Ländern – in diesem Band versammelt sind.
Nadine Gordimer hat gesagt, seit Thomas Mann habe kein deutscher Autor eine so große Wirkung auf die Weltliteratur gehabt wie Günter Grass. Sie findet ihren Niederschlag in den Medien, aber ihre notwendige und unersetzliche Grundlage ist literarischer Art. Das letzte Wort hat das Buch.

Hanjo Kesting (Hg.), Die Medien und Günter Grass
Köln: SH-Verlag 2008, 216 S., br., 19,90 EUR
ISBN 978-3-89498-173-0


Rezension von Tobias Kurwinkel auf literaturkritik.de




Internationaler Kongress 2007: "MedienGrass"

Videos aller Beiträge während des Kongresses:

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Zum Anschauen der Videos in den folgenden Beispielen wird der Microsoft Media Player benötigt.
Die d-Lectures (mit (D) gekennzeichnet) lassen sich im Microsoft Internet Explorer öffnen.



Freitag:

Eröffung im Rathaus zu Bremen: die Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz und der Vorstandsvorsitzende des Medienarchivs Günter Grass Stiftung Bremen Dieter H. Berghöfer

 

Dr. Dieter Stolz: "Ein weites Feld" und kein Ende...
 
Eröffnungsvortrag: Dr. Dieter Stolz: „Ein weites Feld“ und keine Ende… (D)

 

Professor Dr. Manfred Thaller: Das digitale Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen als Bestandteil der Europäischen Digitalen Bibliothek
 
Prof. Dr. Manfred Thaller: Das digitale Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen als Bestandteil der Europäischen Digitalen Bibliothek (D)

 

Professor Dr. Julian Preece: Literarische Portraits von Günter Grass
 
Prof. Dr. Julian Preece: Literarische Portraits von Günter Grass

 

Dr. Anselm Weyer: Der Ruhm als Untermieter. Die Genese des 'öffentlichen Grass' in Fernsehen und Rundfunk
 
Dr. Anselm Weyer: Der Ruhm als Untermieter. Die Genese des 'öffentlichen Grass' in Fernsehen und Rundfunk (D)

 

Freimut Duve, ALBATROS-Jurymitglied
 
Freimut Duve, ALBATROS-Jurymitglied

 

Eröffnung am Samstag
 
Samstag:

Eröffnung am Samstag
Prof. Dr. Hendrik Birus, Dean of Humanities, Arts and Social Sciences of Jacobs University
Donate Fink
Geschäftsführerin Medienarchiv Günter Grass - Stiftung Bremen


 

Priv.-Doz. Dr. Gunther Nickel: Kein Einzelfall – Ein Vergleich der medialen Kampagnen gegen Günter Grass, Peter Handke und Martin Walser
 
Priv.-Doz. Dr. Gunther Nickel: Kein Einzelfall – Ein Vergleich der medialen Kampagnen gegen Günter Grass, Peter Handke und Martin Walser

 

Florian Reinartz, M.A.:Grass im Internet – eine öffentliche Diskussion (D)
 
Florian Reinartz, M.A.: Grass im Internet – eine öffentliche Diskussion (D)

 

Dr. Rebecca Braun: Outfoxing the Media: Reflections on Authorship and the Public Sphere in Grass’s Recent Work (D)
 
Dr. Rebecca Braun: Outfoxing the Media: Reflections on Authorship and the Public Sphere in Grass’s Recent Work (D)

 

Prof. Dr. Wolfgang Schlott: Politischer Störenfried, kaschubischer Rabelais, Danziger Don Quichote: Verwerfungslinien in der polnischen Grass-Rezeption von 1963 bis 2006
 
Prof. Dr. Wolfgang Schlott: Politischer Störenfried, kaschubischer Rabelais, Danziger Don Quichote: Verwerfungslinien in der polnischen Grass-Rezeption von 1963 bis 2006

 

Univ. Doz. Dr. Gennady Vassiliev: Günter Grass: Geschichte der Rezeption in der Sowjetunion und in Russland (D)
 
Univ. Doz. Dr. Gennady Vassiliev: Günter Grass: Geschichte der Rezeption in der Sowjetunion und in Russland (D)

 

Dr. Irmy Schweiger: Günter Grass in China. Von der Kulturrevolution bis zur Wirtschaftswunderwelt – chinesische Lektüren eines Nobelpreisträgers
 
Dr. Irmy Schweiger: Günter Grass in China. Von der Kulturrevolution bis zur Wirtschaftswunderwelt – chinesische Lektüren eines Nobelpreisträgers

 

Dr. Joachim Fischer: Aspects of the Grass reception in Ireland
 
Dr. Joachim Fischer: Aspects of the Grass reception in Ireland (D)

 

Dr. Maggy Rashid: Günter Grass in der arabischen Presse – Zur Rezeption von Grass’ Werken und seinen Äußerungen zu kulturellen und weltpolitischen Fragen (D)
 
Dr. Maggy Rashid: Günter Grass in der arabischen Presse – Zur Rezeption von Grass’ Werken und seinen Äußerungen zu kulturellen und weltpolitischen Fragen (D)

 

Prof. Dr. Richard E. Schade: "Grass's Shame, Germany's Shame" – Coverage of the Waffen SS Revelation in American Media
 
Prof. Dr. Richard E. Schade: "Grass's Shame, Germany's Shame" – Coverage of the Waffen SS Revelation in American Media

Abbildungen zum Vortrag:
Karikatur Blechtrommler
NY Times Book Review
Umschlag "Peeling The Onion"

 

Prof. Dr. Manuel Maldonado Alemán: „Erinnerung im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung. Die Rezeption von Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“ in Spanien“
 
Prof. Dr. Manuel Maldonado Alemán: „Erinnerung im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung. Die Rezeption von Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“ in Spanien“

 

Podiumsdiskussion und Lesung
 
Sonntag:


Podiumsdiskussion (D) Günter Grass – Ansichten eines deutschen Schriftstellers

Podiumsgespräch mit Harro Zimmermann (Moderation, Radio Bremen), Jutta Limbach (Goethe-Institut, Präsidentin), Hendrik Birus (Jacobs University, Vize-Präsident), Eckhard Fuhr (DIE WELT, Redakteur), Per Øhrgaard (Kopenhagen Business School u. Übersetzer), Joachim Treusch (Jacobs University, Präsident)

im Anschluss:

Günter Grass liest aus seinem lyrischen Werk

 

Referenten Dr. Anselm Weyer und Dr. Rebecca Braun
Referenten Dr. Anselm Weyer und Dr. Rebecca Braun
 
Dr. Joachim Fischer und Moderator Prof. Dr. Julian Preece
Dr. Joachim Fischer und Moderator Prof. Dr. Julian Preece
 
Lesung
Lesung
 
Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion
 
Internationaler Kongress: "MedienGrass"

28. bis 30. September 2007, Jacobs University Bremen

80. Geburtstag von Günter Grass

Mit insgesamt 500 Teilnehmern ging der internationale Kongress „MedienGrass“ am Sonntag, dem 30. September, zu Ende. Zwei Tage lang, seit Freitag, hatten sich Grass-Experten aus Ägypten, China, England, Irland, den USA, Spanien und Deutschland über die internationale Grass- Rezeption in den Medien ausgetauscht. Ein Podiumsgespräch und im Anschluss eine Lesung mit Günter Grass waren am Sonntag der Abschluss der Tagung.

Aus Ägypten, Maggy Rashid, war zu hören, dass Grass vor allem als politische Instanz und als „mutiger Mann“ hoch geschätzt und gerne auch zitiert wird, wann immer es gegen Amerika oder Israel passt. In China, Irmy Schweiger, gilt Grass als „Mann, der die Wahrheit sagt“ und genießt dort ebenfalls höchste Anerkennung, Auch die „Zwiebel-Debatte“ wird in China ganz anders aufgefasst als in Deutschland: man begreift es dort als Stärke, dass er nach so langen Jahren des Schweigens nun „die Wahrheit sagt“. In Spanien hat die Grass’sche Autobiografie den Dichter Xavier Marias dazu veranlasst, nach dem Beschweigen der Franco-Diktatur zu fragen und hat damit eine Debatte ausgelöst, wie Manuel Aleman berichtete. In den USA trennte man zwischen dem Buch und dem so genannten „Geständnis“. Ersteres wurde gelobt, aber die Zugehörigkeit zur Waffen-SS war und blieb ein Reizthema. In Irland ist Grass in der Nachfolge von Heinrich Böll der angesehenste deutsche Dichter, dort interessierte das „Geständnis“ kaum jemanden.

Julian Preece verwies darauf, wie Grass in der 68er Literatur als Romanfigur Eingang fand, Florian Reinartz hatte die Internet-Foren ausgewertet, in denen sich die Debatte in den Medien widerspiegelte und Dieter Stolz hatte an hand der Chronologie des Erscheinens von „Ein weites Feld“ die Politik der Medien dargestellt. Anselm Weyer machte die Diskrepanz zwischen den schnelllebigen Tagesmedien und der Nachhaltigkeit der Literatur deutlich.

Besonderen Anlass zur Debatte bot Gunther Nickel mit seinem Vergleich: Walser-Grass-Handke, in dem er das gleiche Vorgehen offen legte: die außerliterarische Debatte vor dem Erscheinen des Buches zu führen. Dass Handke ebenfalls hier eingereiht wurde, erschien einigen Teilnehmern unangemessen.

Vor dem Podiumsgespräch las Günter Grass aus “Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus“, ein Roman von 1980, in dem er den demografischen Wandel vorausschauend ironisch aufs Korn nahm.

Auf dem Podium am Sonntag begegneten sich Joachim Treusch, Physiker und Präsident der Jacobs University, Jutta Limbach, Präsidentin Goethe-Institut, Per Øhrgaard, Business School Kopenhagen, Eckhard Fuhr, DIE WELT, Hendrik Birus, Germanist und Komparatist und Harro Zimmermann als Moderator. Das Gespräch zentrierte sich um die unterschiedlichen Zugänge zu dem Grass’schen Werk. Während für Joachim Treusch, das ganzheitliche Sensorium von Günter Grass, das es ihm ermöglicht, Zukunftsentwicklungen zum Teil früher zu erkennen als die Naturwissenschaft, besonders spannend ist, ist für den Komparatisten Hendrik Birus der „Weltautor Grass“ von besonderem Interesse. Jutta Limbach hingegen erzählte, wie befreiend die „moralinfreie Blechtrommel“ für sie gewesen sei und Eckhard Fuhr erinnert daran, dass Grass zu der Generation der Schriftsteller gehöre, die das „demokratische Schwarzbrot gebacken“ hätten.

Die abschließende Lesung von Günter Grass wurde mit lang anhaltendem Beifall gefeiert.

 

Flyer MedienGrass (pdf)

 
o.T. 1959
o.T. 1959
 
Tagungsprogramm (pdf)

Den 80. Geburtstag von Günter Grass würdigte das Medienarchiv Günter Grass – Stiftung Bremen gemeinsam mit der Jacobs University Bremen mit einer internationalen Tagung und einer Ausstellung von Mediendokumenten und Originalarbeiten von Günter Grass. Die internationale Tagung „MedienGrass – Rezeptionsmodelle im In- und Ausland“ zeigte, wie Grass über Jahrzehnte in den Medien verschiedener Länder aufgenommen wurde.

Mittlerweile sind Werk und Leben des politisch engagierten Literaturnobelpreisträgers Günter Grass Anlass für heftige Debatten in den Medien gewesen, wie bei kaum einem seiner Zeitgenossen. Die Ausstellung präsentiert Audio- und Videodokumente sowie Graphiken von Günter Grass.

Überhört in den nationalen Debatten wurde weitgehend, dass Günter Grass auch eine international gewichtige literarische und politische Stimme ist. So wie er sich als engagierter Bürger in innerdeutsche Debatten eingeschaltet hat, so hat er auch in internationalen Fragen immer wieder Stellung bezogen.

Im Rahmen der Tagung vermittelten Referenten aus den USA, Russland, Ägypten, Spanien, Irland und England die Rezeption des Werkes von Günter Grass und die Positionen des Bürgers Günter Grass in ihren Ländern an Hand von Medienbeiträgen aus Funk und Fernsehen. Von deutscher Seite wurde die Medienrezeption in Polen, Deutschland und China bewertet. Die Tagung reichte über die reine literaturwissenschaftliche Bedeutung in die Medien- und Zeitgeschichte hinein.

Zusammen mit der Tagung wurde zum gleichen Thema eine Ausstellung im Kulturhaus Stadtwaage, Langenstraße 13, eröffnet. Mit ganz frühen Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren bis heute präsentiert das Archiv an Monitoren und Hörstationen die Debatten um Günter Grass in Features, Interviews und Kommentaren. Weiterer Bestandteil der Ausstellung ist die bildkünstlerische Auseinandersetzung von Günter Grass mit den öffentlichen Debatten in Zeichnungen, Lithografien und Radierungen. Über die Auseinandersetzung um seine Person hinausreichend, ist die Ausstellung ein Stück Zeitgeschichte in der Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland.


 

Rathaus zu Bremen - Eröffnung
Rathaus zu Bremen - Eröffnung
 
Kulturhaus Stadtwaage - Ausstellung
Kulturhaus Stadtwaage - Ausstellung
 
Tagungsprogramm (pdf)

Freitag, 28. September 2007,
Rathaus zu Bremen, Kaminsaal, Am Markt 21


18:00 Uhr: Begrüßung

Jens Böhrnsen
Bürgermeister und Präsident des Senats, Senator für Kultur

Dieter H. Berghöfer
Vorsitzender Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen

Dr. Dieter Stolz:
Eröffnungsvortrag: „Ein weites Feld“ und keine Ende…

Prof. Dr. Manfred Thaller:
Das digitale Medienarchiv Günter Grass als Bestandteil der Europäischen Digitalen Bibliothek.

Prof. Dr. Julian Preece:
Literarische Porträts von Günter Grass

Dr. Anselm Weyer:
Der Ruhm als Untermieter. Die Genese des „öffentlichen Grass“ in Fernsehen und Rundfunk

20:00
Rundgang durch das Rathaus
Aufbruch zur Stadtwaage. Langenstraße 13

20:30
Ausstellungseröffnung mit Getränken, Brot und Käse

 

Samstag, 29. September 2007,
Jacobs University, Campus Center, Conference Hall Bremen-Grohn



9:00
Donate Fink Geschäftsführerin Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen: Begrüßung
Dr. Dieter Stolz: Moderation

Dr. Michael Grisko:
Günter Grass und der Literaturnobelpreis: Zwischen Medienspektakel und Marketinginstrument

Florian Reinartz, M.A.:
Grass im Internet – eine öffentliche Diskussion (Zu „Beim Häuten der Zwiebel“)

Priv.-Doz. Dr. Gunther Nickel:
Kein Einzelfall – Ein Vergleich der medialen Kampagnen gegen Günter Grass, Peter Handke und Martin Walser

11:00 - 11:20 Kaffeepause

Dr. Rebecca Braun:
Outfoxing the Media: Reflections on Authorship and the Public Sphere in Grass’s Recent Work’.

Prof. Dr. Wolfgang Schlott:
Politischer Störenfried, kaschubischer Rabelais, Danziger Don Quichote: Verwerfungslinien in der polnischen Grass-Rezeption von 1963 bis 2006.

Univ. Doz. Dr. Gennady Vassiliev :
Günter Grass: Geschichte der Rezeption in der Sowjetunion und in Russland

13:20 -14:30 Mittagspause

Prof. Dr. Julian Preece: Moderation

Dr. Irmy Schweiger:
Günter Grass in China. Von der Kulturrevolution bis zur Wirtschaftswunderwelt – chinesische Lektüren eines Nobelpreisträgers

Dr. Joachim Fischer:
Aspects of the Grass reception in Ireland

Dr. Maggy Rashid:
Günter Grass in der arabischen Presse – Zur Rezeption von Grass’ Werken und seinen Äußerungen zu kulturellen und weltpolitischen Fragen

16:30 – 16:50 Kaffeepause

Prof. Dr. Richard E. Schade: Grass's Shame, Germany's Shame – Coverage of the Waffen SS Revelation in American Media"

Prof. Dr. Manuel Maldonado Alemán: „Erinnerung im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung. Die Rezeption von Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“ in Spanien“

18:30 Abschluß

 

Sonntag 30. September 2007 Jacobs University, Campus Center, Conference Hall

Besonderer Gast : Günter Grass

11: 00 Podiumsgespräch

Günter Grass – Ansichten eines deutschen Schriftstellers

mit

Harro Zimmermann
(Moderation, Radio Bremen)
Jutta Limbach
(Goethe-Institut, Präsidentin)
Hendrik Birus
(Jacobs University, Vize-Präsident)
Eckhard Fuhr
(DIE WELT, Redakteur)
Per Øhrgaard
(Kopenhagen Business School u. Übersetzer)
Joachim Treusch
(Jacobs University, Präsident)

im Anschluss:

Günter Grass las aus seinem lyrischen Werk

 


Bio-bibliographische Angaben und Exposées


Manuel Maldonado Alemán
Manuel Maldonado Alemán
Prof. Dr. Manuel Maldonado Alemán:
Erinnerung im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung. Die Rezeption von Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“ in Spanien

Prof. Dr. Manuel Maldonado Alemán studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte an der Universität zu Köln. Ab 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Sevilla (Spanien). 1994 Promotion über Rezeptionstheorie und Pragmatik der Literatur. Ab 1995 Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Sevilla. Buchpublikationen und zahlreiche Aufsätze zur deutschen Literaturgeschichte des 19. bis 20. Jahrhunderts sowie zu literatursystematischen Fragestellungen. Forschungsschwerpunkte: Rezeptions- und Systemtheorie, Literaturgeschichte und Pragmatik der Literatur, Expressionismus und Dadaismus, Paul Celan, Günter Grass, Gegenwartsliteratur (insbesondere Literatur zur deutschen Einheit), Gedächtnis und Literatur.


Die Veröffentlichung von Grass’ Beim Häuten der Zwiebel im August 2006 hat in den spanischen Feuilletons eine Diskussion über kollektives Gedächtnis und Vergangenheitsbewältigung in Bezug auf die jüngste spanische Vergangenheit entfacht. Grass’ Bekenntnis führte in Spanien zu einer Diskussionen um den Umgang mit der Franco-Zeit, über die nach dem Tod des Diktators lange ein Pakt des Schweigens herrschte. Vergessen werden sollten nicht nur der Bürgerkrieg, sondern auch seine Fortsetzung in der Franco-Diktatur.

Nun stellt sich in Spanien die Frage nach den Auswirkungen des viele Jahre währenden Beschweigens der Franco-Diktatur. Das langjährige Schweigen über die Vergangenheit verhinderte die Auseinandersetzung über Franco nicht, sondern verzögerte diese nur. In diesem Kontext der Wiedergewinnung des historischen Gedächtnisses in Spanien wurde Grass’ Werk Beim Häuten der Zwiebel mit großem Interesse aufgenommen. Der Vortrag zeigt, wie entscheidend der Einfluss des außerliterarischen Umfeldes bei der Rezeption von Grass’ Beim Häuten der Zwiebel in Spanien ist.

Rebecca Braun
Rebecca Braun
Dr. Rebecca Braun:
Outfoxing the Media: Reflections on Authorship and the Public Sphere in Grass’s Recent Work

Dr. Rebecca Braun studierte von 1996 bis 2005 an der Oxford University, Großbritannien. Titel der Doktorarbeit „Ich schreibe auf ein Förderband: Ich Ich Ich“: Constructing Authorship in the Work of Günter Grass. Eine leicht überarbeitete Version davon erschien in der Oxford University Press. Danach Honorary Research Fellow an der University of Liverpool, seit 2007 Lecturer in German der University of Manchester.

Der Vortrag hat die Wahrnehmung von Günter Grass in der deutschen Öffentlichkeit sowie deren Wirkung auf Grass’ jüngere Arbeiten aus der Außensicht zum Thema. Ausgangspunkt ist der langwierige Medienrummel um Grass, besonders in den 80er und 90er Jahren, der ein komplexes Muster von Erwartungen nicht nur an Grass sondern an deutsche Autoren seiner Generation im allgemeinen aufweist.

In der deutschen Medienlandschaft wird einerseits versucht, Grass’ Generation als politisch sowie literarisch überholt darzustellen (besonders zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung). Gleichzeitig werden Grass’ neuere Werke in aktuelle politische Diskussionen einbezogen, die zum Teil über mehrere Monate hinaus Diskussionen in eben dieser Medienlandschaft bestimmen. Der Vortrag zeichnet dieses Muster nach und zeigt, wie Grass in seinen literarischen Texten auf den paradoxen Rezeptionshintergrund eingeht und damit langfristig der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Autorschaft ein deutlich differenzierteres Bild aufzwingt.

Der Vortrag wird in Englisch gehalten.

Joachim Fischer
Joachim Fischer
Dr. Joachim Fischer:
Aspects of the Irish reception of Günter Grass and his works

Dr. Joachim Fischer studierte Germanistik, Englisch, Medienwissenschaft und Vergleichende Philosophie an den Universitäten Mainz, Glasgow, Bonn und dem Trinity College Dublin. Von 1983 bis 1984 Teilzeitdozent in Keltischer Philologie an der Universität Mainz. 1984 bis 1987 DAAD Lektor für German language and culture am Department of German der University College Cork, von 1987 bis 1990 Special Assistant des Departments. Seit 1990 Assistant Lecturer, Lecturer and Senior Lecturer in German, Department of Languages and Cultural Studies der University of Limerick.

Der Vortrag hat die Wahrnehmung von Günter Grass in der deutschen Öffentlichkeit sowie deren Wirkung auf Grass’ jüngere Arbeiten aus der Außensicht zum Thema. Ausgangspunkt ist der langwierige Medienrummel um Grass, besonders in den 80er und 90er Jahren, der ein komplexes Muster von Erwartungen nicht nur an Grass sondern an deutsche Autoren seiner Generation im allgemeinen aufweist.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die irische Rezeption des Werkes von Günter Grass. Diese ist durchaus nicht mit der in Großbritannien identisch. Die irische Rezeption wird einerseits in den Kontext der Gesamtrezeption deutscher Nachkriegsliteratur gestellt, wobei als Vergleichspunkt Heinrich Böll herangezogen wird, dessen Irisches Tagebuch dem Autor bis zu seinem Tod eine Sonderstellung innerhalb irischer Vorstellungen von zeitgenössischer deutscher Literatur sicherte. Andererseits wird die Grass-Rezeption in den Zusammenhang irischer Sichtweisen der deutschen Vergangenheitsbewältigung eingeordnet.

Im Einzelnen widmet sich der Vortrag zunächst der Rezeption der Person Grass und seines Werkes in den irischen Zeitungen und Zeitschriften. Gefragt wird nach dem Einfluss des Grass’schen Werkes auf die zeitgenössische irische Literatur. Es folgt ein Blick auf die Rolle der Werke Grass’ innerhalb der Germanistik an den Universitäten des Landes, einerseits in der literaturwissenschaftlichen Forschung irischer Germanisten, aber auch als Unterrichtsstoff innerhalb des Literatur-Curriculums.

Der Vortrag wird in Englisch gehalten.

Dr. Michael Grisko:
Günter Grass und der Literaturnobelpreis: Zwischen Medienspektakel und Marketinginstrument

Dr. Michael Grisko studierte Germanistik, Politik- und Europäische Medienwissenschaften in Kassel und Dijon. Danach Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universitäten Kassel und Halle. Kulturjournalist für ZDF und 3sat-Kulturzeit, seit Juli 2006 Wissenschaftlicher Leiter des Buddenbrookhauses in Lübeck. Ebenfalls 2006 Promotion zu Heinrich Mann und der Film. Zahlreiche Publikationen zur Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts.

Am Beispiel der Berichterstattung zur Verleihung des Literaturnobelpreises wird die Konstruktion des Autors im Kontext der bürgerlichen Adelungstechnik Nobelpreis untersucht – auch hinsichtlich seiner Funktion als Mediensensation und Marketinginstrument. Dies erfolgt mit einem vergleichenden Blick auf die Verleihung an Thomas Mann (1929) und Heinrich Böll (1972), aber auch mit Blick auf die mediale ‚Neukonstruktion’ bzw. ‚Dekonstruktion’ des Autors im Zusammenhang mit der Publikation Beim Häuten der Zwiebel.

Gunther Nickel
Gunther Nickel
Priv.-Doz. Dr. Gunther Nickel:
Kein Einzelfall – Ein Vergleich der medialen Kampagnen gegen Günter Grass, Peter Handke und Martin Walser

Priv.-Doz. Dr. Gunther Nickel, geboren 1961, studierte Germanistik und Musik in Oldenburg. Von 1994 bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Handschriftenabteilung des Deutschen Literaturarchivs Marbach, seitdem Lektor des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt. Seit 2003 Privatdozent für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zahlreiche Publikationen zur deutschen Literatur, unter anderem Herausgeber des Geheimreports und des Deutschlandberichts für das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika von Carl Zuckmayer (gemeinsam mit Johanna Schrön) sowie der Gesammelten Schriften von Siegfried Jacobsohn (gemeinsam mit Alexander Weigel).

Die Auseinandersetzungen um Grass’ Beim Häuten der Zwiebel, Handkes Stellungnahmen und Büchern zu den jüngsten Kriegen auf dem Balkan und Walsers Roman Der Tod eines Kritikers gleichen sich in einem zentralen Punkt: Sie alle waren mit einem Kampagnenjournalismus konfrontiert, der die grundgesetzlich garantierte Presse- und Meinungsfreiheit vorsätzlichen missbrauchte und im Fall von Grass und Walser auch vor Rechtsbruch nicht zurückschreckte. Die drei Kampagnen werden knapp resümiert und miteinander verglichen.

Julian Preece
Julian Preece
Prof. Dr. Julian Preece:
Vom ,Gönner' eines Studentenrebells zum nächtelangen Skatspieler: Portraits von Günter Grass in der 68er Literatur

Prof. Dr. Julian Preece ist seit dem 1. Juli 2007 Professor für German Studies an der University of Wales Swansea. Er ist der Autor zweier Monographien: The Life and Work of Guenter Grass: Literature, History, Politics, die zurzeit ins Chinesische übertragen wird, und The Rediscovered Writings of Veza Canetti: Out of the Shadows of a Husband.

Berühmte Dichter finden Eingang in die Literaturgeschichte auch durch die fiktionalen und autobiographischen Werke ihrer Zeitgenossen, die sie – mal mehr, mal weniger verschleiert – portraitieren. Günter Grass ist in dieser Beziehung keine Ausnahme. Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere als literarisches Modell sind eindeutig die Sechziger Jahre, das Jahrzehnt, in dem er seine wichtigste Rolle in der politischen Öffentlichkeit der jungen Bundesrepublik spielte.

In den bekenntnisreichen Bestandsaufnahmen von Max Frisch (Tagebücher 1961-1971), Peter Rühmkorf (Die Jahre die ihr kennt) oder Bernward Vespers linkem Kultbuch Die Reise ist sein Auftreten jeweils symbolträchtig, was eines klarmacht: es geht den Memoiristen nicht nur, wenn überhaupt, um seine Persönlichkeit. In Romanen von Peter Schneider (Lenz) und Martin Walser (Das Einhorn) mag er eher verschlüsselt vorkommen, aber auch jetzt steht er als Typus des repräsentativen sowie politisch engagierten und erfolgreichen Schriftstellers. Nur sein alter Danziger Schulkamerad Klaus Rainer Röhl stellt ihn auf skurillere Art und Weise in dem biographischen Schlüsselroman Die Genossin dar. Der Autor der Blechtrommel und Willy Brandts großer Stimmenwerber war ein ,Markenzeichen der Republik', der mit den sich rasch entwickelnden Medien souverän umzugehen wusste und eine Botschaft auf der Höhe des Zeitgeistes verbreitete.

Maggy Rashid
Maggy Rashid
Dr. Maggy Rashid:
Günter Grass in der arabischen Presse – Zur Rezeption von Grass’ Werken und seinen Äußerungen zu kulturellen und weltpolitischen Fragen

Dr. Maggy Rashid, Jahrgang 1973, studierte Germanistik und Philosophie an der Universität Kairo. 2005 promovierte sie über Günter Grass. Seit 1998 arbeitet sie als Lehrerin für das Fach Deutsch an der Deutschen Schule der Borromäerinnen in Kairo und leitet ein Austauschprogramm mit einem nordrhein-westfälischen Jugendaustauschwerk.

In den letzten Jahren war der deutsche Nobelpreisträger Günter Grass in der arabischen Presse beziehungsweise auf den arabischen Internetseiten häufig präsent: Sein Aufenthalt im Jemen lenkte die Aufmerksamkeit der arabischen Schriftsteller und Denker auf den Kulturdialog zwischen dem Orient und dem Westen. Obwohl den arabischen Lesern Grass’ literarisches Werk kaum bekannt ist, interessieren dessen Stellungnahmen zu kulturellen Fragen bzw. aktuellen weltpolitischen Geschehnissen.

Florian Reinartz
Florian Reinartz
Florian Reinartz, M.A.:
Grass im Internet – eine öffentliche Diskussion?

Florian Reinartz, geboren 1980, Studium der Deutschen Philologie, Informationsverarbeitung und Klassischen Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln. Magisterexamen 2006, seitdem Doktorand bei Professor Dr. Volker Neuhaus und Stipendiat des Medienarchivs Günter Grass Stiftung Bremen an der Jacobs University Bremen.

Grass’ Autobiographie Beim Häuten der Zwiebel und die offengelegte SS-Mitgliedschaft des Autors haben auch im neusten Massenmedium, dem Internet, vielstimmige Reaktionen hervorgerufen.
Auf zahlreichen Diskussionsforen äußern sich Internet-Nutzer über das Buch und über Grass selbst. Herausarbeiten lässt sich, dass im virtuellen Raum nicht nur von SS-Mitgliedschaft, Schweigen und ,Geständnis' die Rede ist, sondern auch Wirkung und Wirkungsabsichten der Massenmedien diskutiert werden. WWW-Foren lassen sich, im Gegensatz zu eher meinungsbildenden Umfrage-Formaten in Rundfunk oder Fernsehen, als meinungsabbildend charakterisieren. Die in Diskussionsforen vorgebrachten Thesen besitzen daher einen besonderen Wert, wenn es um die öffentliche Wirkung der Autobiographie und ihres Autors geht.

Richard Schade
Richard Schade
Prof. Dr. Richard E. Schade:
Grass’s Shame, Germany’s Shame – Coverage of the Waffen SS Revelation in American Media

Prof. Dr. Richard E. Schade, 1976 PhD in German Studies an der Yale University. Schwerpunkt seiner Publikationen ist die deutsche literarische Kultur von Luther bis Lessing. Über Günter Grass veröffentlichte er Artikel zu Das Treffen in Telgte, Mein Jahrhundert, Die Blechtrommel und Beim Häuten der Zwiebel. Seit 1976 ist er verantwortlicher Redakteur von The Lessing Yearbook und Mitglied des redaktionellen Gremiums von The German Quarterly. Gegenwärtig beschäftigt er sich im Rahmen eines Research Fellowship mit Günter Grass’ Kunst.

While print, audio and visual media in the United States were slightly delayed in reporting on the revelation of his service in the Waffen - SS during the brief period of time it was reported on, the coverage was well informed and revealing.

Reports in the nationally significant print media – New York Times, Time, Newsweek, and The New Yorker will be analyzed – as well as broadcasts on National Public Radio and National Public Television. The coverage in each media venue makes apparent the dependence of American coverage on German media sources from DIE ZEIT on down and on the opinions of German intellectuals (Peter Schneider and Michael Jürgs). Furthermore, the visual materials embedded in the television broadcasts – marching SS battalions, for example – ‘interpret’ the story in a visually powerful, not to say sensationalistic manner. A concluding evaluation of the media coverage in terms of the overall American ‘fascination’ for Germany’s Nazi past adds a further dimension to the study.

Der Vortrag wird in Englisch gehalten.

Wolfgang Schlott
Wolfgang Schlott
Prof. Dr. Wolfgang Schlott:
Politischer Störenfried, kaschubischer Rabelais, Danziger Don Quichote: Verwerfungslinien in der polnischen Grass-Rezeption von 1963 bis 2006

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, 1941 in Suhl/ Thüringen geboren. Studium der Südslavistik, Bohemistik, Soziologie, Filmästhetik, Kunstgeschichte und Latinistik in Bremen, Münster (Westfalen) und Konstanz. 1979 Dissertation mit einer Arbeit über die Lyrik Ossip Mandelstams. 1979 bis 1983 Forschungsprojekte in Siegen und Bochum, seit 1984 an der Forschungsstelle Osteuropa. 1992 Habilitation über polnische Prosa nach 1945. Seit 2002 Professor für Neuere slavische Kultur- und Literaturgeschichte an der Universität Bremen. Hauptforschungsgebiete: Polonistik, Russistik, Kulturgeschichte Osteuropas, Jugendsoziologie und Filmästhetik.

Die mit einer Verspätung von rund fünfzehn Jahren einsetzende Rezeption epischer und lyrischer Texte von Günter Grass in Polen löste nach dem politischen Umbruch eine allerdings um so fundiertere axiologische Beleuchtung eines Werkes aus, das nationale Stereotypen und Kulturmuster einer sprachlich vielschichtigen, von universellen Kriterien beeinflusste Bewertung aussetzte.

Eine unter den Bedingungen der Zensur radikal verengte Auswahl Grass’scher Publikationen führte einerseits zu einer verzerrten Wahrnehmung seines vielschichtigen Oeuvres. Andererseits hatte sich spätestens seit dem Ende der 70er Jahre, ausgelöst durch die erste Untergrundausgabe der Blechtrommel (1979) in dem Verlag NOWA und die Grass-Konferenz im Juni 1981 in Danzig, ein breites Forum aus Schriftstellern, Publizisten und Literaturkritikern gebildet. Der nun beginnende literaturkritische und vergleichende literarhistorische Rezeptionsprozess widerspiegelte eine Fülle von Aspekten, die bereits Bestandteil von Diskursen aus den 80er Jahre waren und nun einer ästhetischen und literaturwissenschaftlichen Verdichtung wie auch einer verifizierenden Bewährungsprobe ausgesetzt wurden.

Dr. Irmy Schweiger:
Günter Grass in China. Von der Kulturrevolution bis zur Wirtschaftswunderwelt – Lektüren eines Nobelpreisträgers

Dr. Irmy Schweiger, geb. 1964, Studium der Sinologie und Germanistik in Freiburg, Taibei, Heidelberg, Leiden, Tianjin und Beijing. Promotion über chinesische Gegenwartsliteratur. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutsch-chinesischen Institut für Interkulturelle Germanistik und Kulturvergleich, Seminar für Deutsche Philologie der Universität Göttingen.

Drei Jahre nach dem Ende der Kulturrevolution bereiste Günter Grass als einer der ersten deutschen Künstler die Volksrepublik China. Auf Einladung des damaligen deutschen Botschafters in Beijing, Erwin Wickert, bereiste Grass die Städte Beijing, Nanjing und Shanghai, wo er vor allem mit chinesischen Germanisten – sowie mit seinen späteren Übersetzern und Multiplikatoren – zusammentraf.

Die Rezeption des späteren Nobelpreisträgers reicht von Verstörung bis Bewunderung, das anfängliche Unverständnis wurde zwischenzeitlich von einem Grass-Fieber abgelöst. Grass ist längst Bestandteil des germanistischen Kanons in China geworden.

Waren die ersten Übersetzungen noch von anzüglichen Stellen ,gereinigt', gibt es derzeit kaum eine chinesische Zeitung, die sich nicht mit dem schwierigen Umgang mit der Vergangenheit beschäftigt. Trotzdem verweist der chinesische Grass-Diskurs immer schon mehr auf den Rezipienten selbst, als auf den Rezipierten.

Dieter Stolz
Dieter Stolz
Dr. Dieter Stolz:
Günter Grass: "Ein weites Feld" und kein Ende…

Dr. Dieter Stolz, Jahrgang 1960, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Münster (Westfalen) und Berlin. Von 1993 bis 1999 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin. Promovierte mit einer Arbeit über Konstanten und Entwicklungen im literarischen Werk von Günter Grass, welcher ihn anschließend als „verdeckten Ermittler“ für seinen Roman Ein weites Feld engagierte. Stolz ist Mitherausgeber der Günter-Grass-Werkausgabe und war 10 Jahre lang Redakteur der Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter. Von 2000 bis Ende 2005 Programmleiter für den Bereich Neue deutschsprachige Literatur beim Literarischen Colloquium Berlin. Publizierte zahlreiche Bücher und Essays zur Gegenwartsliteratur, erhielt Gastdozenturen und Lehraufträge an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland und arbeitet seit Januar 2006 als freier Lektor.

Gestern wird sein, was morgen gewesen ist oder eine jahrzehntealte Geschichte wird immer wieder neu aufgelegt, das Grass-Symptom und kein Ende: Für die einen ist der unbequeme Querdenker längst ein ,rotes Tuch', andere stecken ihn kurzerhand in die aschgraue Kutte des ,sakrosankten Moralpredigers'.
Die Tatsache, dass es sich bei Günter Grass um einen der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegszeit handelt, scheint demgegenüber hin und wieder in Vergessenheit zu geraten. Über mögliche Hintergründe für diese Situation lässt sich aus wechselnden Perspektiven – nicht erst seit dem Medienspektakel um seinen Roman Ein weites Feld (1995) – unendlich lange streiten. Fest steht, mit dem anhaltend produktiven Wortkünstler haben viele Feuilleton-Auseinandersetzungen bis heute in der Regel nur sehr wenig zu tun. Sie sind allerdings im Rahmen einer Tagung zur Rezeption der Grass’schen Werke von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird, mit einigen Anmerkungen zum Fall Fonty, in das vielschichtige Colloquiumsthema eingeführt.

Manfred Thaller
Manfred Thaller
Prof. Dr. Manfred Thaller:
Lebendes Erbe: Das Medienarchiv Günter Grass als Teil der Präsenz des Europäischen Kulturellen Erbes im Digitalen Raum

Prof. Dr. Manfred Thaller, Jahrgang 1950. Ab 1970 Studium der Geschichte an der Universität Graz. 1975 Dissertation in zeitgenössischer Geschichte. Danach Postdoc Fellowship für empirische Soziologie in Wien. Ab 1978 Research Fellow/ Senior Research Fellow am Max-Plank-Institut für Geschichte in Göttingen. Verantwortlich für Design und Implementierung des datenbank-basierten Geschichtsprogramms CLIO. Ab 1995 Teilzeit-Professur für Historical Computer Science an der Universität Bergen, Norwegen. Von September 1997 bis Februar 2000 Gründungsdirektor und anschließend Direktor des Humanities Information Technology Research Programme sowie des angeschlossenen Forschungszentrums der Universität Bergen. Seit März 2000 Professor für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung an der Universität Köln.

Zu den Initiativen, die den europäischen Gemeinschaften über ein wirtschaftlich relevantes Bündnis hinaus zu einer besser erkennbaren Identität verhelfen sollen, gehört die Europäische Digitale Bibliothek, die mittelfristig substantielle Teile des kulturellen Erbes des Kontinents – operationalisiert als Inhalt der Bibliotheken, Archive und Museen – über eine gemeinsame Oberfläche verfügbar machen soll.

Der Struktur Europas entsprechend, geht es dabei nicht darum und kann es nicht darum gehen, eine zentrale und monolithische Instanz zur Definition und Verwaltung des europäischen kulturellen Erbes einzurichten. Die Vision einer derartigen ,Bibliothek' sieht vielmehr vor, dass die einzelnen Träger der kulturellen Erinnerung des Kontinents ihre Angebote so abstimmen, dass daraus eine Zusammenschau entsteht. Welche konkrete Rolle Angebote wie das des Medienarchivs in diesem Umfeld spielen können, wird im Vortrag aufgezeigt.

Gennady Vassiliev
Gennady Vassiliev
Univ. Doz. Dr. Gennady Vassiliev:
Günter Grass – Geschichte der Rezeption in der Sowjetunion und in Russland

Univ. Doz. Dr. Gennady Vassiliev studierte an der Pädagogischen Universität Moskau und an der Universität Wien. 1999 Promotion über Tradition und das Neuertum in Romanen von Jakob Wassermann 1897-1914. 1995 bis 2000 Assistent am Lehrstuhl für Stilistik der russischen Sprache an der Nishegoroder Staatlichen Linguistischen Universität, Nishnij Novgorod. Von 2000 bis 2002 Franz-Werfel-Stipendium für das Projekt Die künstlerische Welt von Richard Beer-Hofmann im Kontext der österreichischen Literatur der Jahrhundertwende. 2002 bis 2005 Universitäts-Assistent, Lehrstuhl für Stilistik der russischen Sprache an der Nishegoroder Staatlichen Linguistischen Universität, Nishnij Novgorod. Seit 2005 Universitätsdozent des Lehrstuhls für Fremdsprachen, Staatliche Universität – Wirtschaftshochschule, Nishnij Novgorod.

Die Geschichte der Rezeption von Günter Grass in Russland beginnt Mitte der 60er Jahre mit der ersten Publikation seiner Werke Hundejahre (1965) sowie Katz und Maus (1968) in der Zeitschrift Ausländische Literatur. Die sowjetischen Kritiker und Literaturwissenschaftler erkannten seine schriftstellerische Begabung an, doch hatten sie große Zweifel bezüglich seiner ,politischen Reife'.
In den 70er Jahren wurde in der Sowjetunion nicht nur Grass’ politische Position, sondern auch die Besonderheiten seiner Poetik analysiert.

Die 80er Jahre in der Sowjetunion können als Durchbruch Günter Grass’ zu seinem sowjetischen Leser gelten. Das lange Warten auf die russische Übersetzung seiner Werke wird als das Warten der sowjetischen Leser auf die Größe des Schriftstellers der jeweiligen Idee erklärt. Die 90er Jahre haben deutlich den Platz von Günter Grass als ,lebendiger Klassiker' im Bewusstsein des russischen Lesers festgestellt. 1995 wurde Die Blechtrommel veröffentlicht (Übersetzung Evgenija Katzeva). Mehrere Interviews und Artikel in den Zeitungen und Zeitschriften wie Literaturzeitung und Bücherrundschau charakterisieren diese Periode. Die Diskussion hat die Grenzen der Fachdiskussion und Fachzeitschriften überschritten. Der Kreis der Grass-Rezeption in Russland schließt sich da, wo er eröffnet wurde: die politische Tätigkeit hat mehr Gewicht als seine schriftstellerische Tätigkeit.

Anselm Weyer
Anselm Weyer
Dr. Anselm Weyer:
Der Ruhm als Untermieter. Schriftsteller als öffentliche Personen in Fernsehen und Rundfunk

Dr. Anselm Weyer, geboren 1976, Studium der Deutschen Philologie, Philosophie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der Universität zu Köln. 2005 Promotion zum Thema Günter Grass und die Musik. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen an der Jacobs University Bremen. Forschungsschwerpunkte: Günter Grass, Intermedialität und Komische Literatur.

Günter Grass ist wie kein anderer deutschsprachiger Autor Diskussionsgegenstand in den modernen Massenmedien. Themen der Berichterstattung sind sowohl sein literarisches und bildkünstlerisches Werk, als auch sein öffentliches gesellschaftliches Engagement. Da die Zahl der Fernsehzuschauer und Rundfunkhörer größer als die der Leser ist, führt dies dazu, dass sich auch literaturfernere Bevölkerungsgruppen ein dezidiertes Bild der öffentlichen Person Grass machen, das sich nicht vorwiegend aus dem primären Quellen speist.

Der Vortrag erläutert die Ausstellung MedienGrass, die den Besonderheiten der verschiedenen medialen Diskurse zum Wirken von Günter Grass und der Genese des öffentlichen Bildes von Günter Grass nachgeht.





2006

Günter Grass: Ich als Koch
Günter Grass: Ich als Koch
 
Günter Grass: Mädchen mit Pilzhut
 
Begrüßung durch Dieter H. Berghöfer
 
Volker Neuhaus
Volker Neuhaus
 
Günter Grass: Küchenzettel
Günter Grass: Küchenzettel
 
Ausstellungseröffnung in der Stadtwaage
Ausstellungseröffnung in der Stadtwaage
 
Kongress und Ausstellung zum Thema „Essen und Trinken im Werk von Günter Grass“
29. September bis 1. Oktober 2006

Die Günter Grass Stiftung Bremen veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Kulinaristik einen dreitägigen Kongress: „Günter Grass: Menschen als Tiere die kochen können“, der am Freitag, 29. September 2006, 16 Uhr, in der Stadtwaage, Langenstraße 13, eröffnet wurde.
Begleitet wurde der Kongress von der Ausstellung „Günter Grass: Küchenzettel. Menschen sind Tiere, die kochen können“ mit Skulpturen, Radierungen und Lithographien von Günter Grass zum Thema.

Günter Grass hat das Essen immer wieder zum Gegenstand seiner künstlerischen Arbeit gemacht. Von "Die Blechtrommel" über "Der Butt " bis hin zu Gedichten wie "Im Ei" oder "Die Schweinekopfsülze" und zahlreichen Radierungen, Lithographien und Skulpturen hat Grass die anthropologische, kommunikative und symbolische Bedeutung des Essens ansichtig gemacht.

Ebenso spielen im Gesamtwerk von Günter Grass die Handlungsfiguren des Kochs und insbesondere der Köchin eine herausragende Rolle. Unermüdlich hat Grass auch die Voraussetzung aller Kulinaristik, den Sieg über den Hunger in der Welt, thematisiert. In seiner Dankesrede auf die Verleihung des Nobelpreises (Fortsetzung folgt…) fasst er die andauernde Relevanz dieses Bedingungsaspekts aller Kulinaristik zusammen: "Dieses Thema ist uns geblieben... Davon wird in Zukunft zu erzählen sein".

Die Günter Grass Stiftung Bremen ist für die inhaltliche Verbindung von Tagung, Ausstellung und Essen von der Initiative des Bundespräsidenten „Land der Ideen“ als „Ort der Ideen“ ausgewählt worden.

Tagungsprogramm

Freitag, 29. September 2006

Begrüßung

Dieter H. Berghöfer,
Vorsitzender des Vorstandes der Günter Grass Stiftung Bremen

Professor Dr. Alois Wierlacher,
Vorsitzender der Deutschen Akademie für Kulinaristik

Eröffnungsvortrag der Tagung
Professor Dr. Volker Neuhaus,
Wissenschaftlicher Leiter der Günter Grass Stiftung Bremen
"Über Menschen als Tiere, die kochen können - Essen und Kultur bei Günter Grass"

Empfang im Rathaus zu Bremen


Samstag, 30. September 2006

Vorträge


Professor Dr. Alois Wierlacher, Bayreuth
"Kulinaristik und ihre Institutionalisierung. Ansichten einer neuen Wissenschaft"

PD Dr. Dorothee Römhild, Osnabrück
"Kulinarische Finessen in 'Ein weites Feld"' - 'Annähernd schottisch', 'Berliner Spezialitäten', typisch französisch"

Dr. Gisela Schneider, Köln
"Die bösen Köche"

Frauke Meyer-Kemmerling, M.A., Hürth
"Wörtliche Bilder - Zur besonderen Dinglichkeit der Essensmotive im Bildenden Werk von Günter Grass"

Florian Reinartz, M.A., Günter Grass Stiftung Bremen
"Zwiebel gelesen, Aale gefilmt"

Sonntag, 1. Oktober 2006

Dr. Julian Preece, Canterbury
"'Kann die Nahrung Sünde sein?' - Schonkost und Festessen im Barock. Von Grimmelshausen zu Grass"

Dr. Anselm Weyer, Günter Grass Stiftung Bremen
"Über den Hunger, wie er beschrieben und schriftlich verbreitet wurde"

Gemeinsames Abschlussessen
Gerichte nach Rezepten aus dem literarischen Werk von Günter Grass